🦉🎶 Das schiefe Frühlingskonzert 🦇✨

Im Nachtwald wird es musikalisch – oder zumindest laut. Emma die Eule lädt zur großen Frühlings-Chorprobe ein und möchte Perfektion. Doch mit Max’ lustigen Flügel-Geräuschen, Hugos taktlosem Quaken und Karlos Grashalm-Harmonika wird aus dem Konzert ein chaotisches Spektakel. Ben die Fledermaus muss feststellen, dass schiefe Töne manchmal die schönsten Geschichten schreiben.

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3/14/20264 min read

Ein feiner Duft von jungen Birkenblättern und nasser Erde zog mir in die Nase, als ich heute meine Flügel dehnte. Der Frühling im Park ist wie ein großes Aufwachen. Überall knackt es, überall sprießt etwas und die Luft fühlt sich nicht mehr so eisig an wie im Winter. Ich wollte gerade einen gemütlichen Looping drehen, um den Mond zu begrüßen, da hörte ich ein schrilles Pfeifen. Es klang ein bisschen wie eine verrostete Gießkanne, die versucht, Flöte zu spielen.

Es war Emma die Eule. Sie saß auf dem höchsten Ast der alten Buche und hielt ein langes Stöckchen in ihren Krallen. Vor ihr hatten sich schon fast alle versammelt. Hugo der Frosch saß auf einem dicken Stein, Hoppel der Hase wackelte nervös mit seinen Ohren und mein kleiner Bruder Max hängte sich extra lässig an einen Zweig, um jedem zu zeigen, wie cool er ist.

„Ruhe im Wald. Ruhe, bitte“, rief Emma und fuchtelte mit ihrem Stöckchen in der Luft herum. Sie sah ein bisschen nervös aus. Ihr Gefieder war aufgeplustert und sie rückte sich ständig die Federn über den Augen zurecht. „Wir wollen heute Abend das große Begrüßungskonzert für den Frühling proben. Alles muss perfekt sein. Die Menschenkinder am Tag singen auch Lieder, und wir Bewohner der Nacht wollen zeigen, dass wir viel schöner klingen.“

Ich landete leise neben Hoppel. „Glaubst du, das klappt?“, flüsterte ich ihm zu. Hoppel zuckte nur mit den Schultern, was dazu führte, dass seine rote Ballonschnur lustig hin und her schwang. „Ich weiß nicht, Ben. Ich bin eher für das Trommeln mit den Pfoten zuständig. Singen ist... nun ja... laut.“

Emma klopfte mit ihrem Stock gegen den Ast. „Wir beginnen mit dem Frühlings-Summen. Ein sanftes, tiefes Summen, wie eine warme Brise. Eins, zwei, drei und...“

Ich schloss die Augen und versuchte, meine Stimme ganz sanft klingen zu lassen. Doch bevor ich überhaupt den ersten Ton herausbringen konnte, passierte es. Ein lautes, knatterndes Geräusch riss mich aus der Konzentration. Pffft-knatter-pffff.

Ich riss die Augen auf. Max grinste über das ganze Gesicht. Er hatte seine Flügel unter seine Achseln geklemmt und schlug sie so schnell zusammen, dass es klang, als hätte jemand eine ganze Dose Bohnen gegessen. „Upsi“, kicherte er. „Das war der Wind in meinen Federn.“

Emma wurde ein bisschen rot um den Schnabel. „Max, bitte. Wir sind hier bei einer seriösen Chorprobe. Noch einmal. Ein sanftes Summen.“

Wir setzten wieder an. Ich konzentrierte mich darauf, den Ton zu treffen. Aber meine Echoortung machte mir einen Strich durch die Rechnung. Wisst ihr, für uns Fledermäuse ist Hören wie Sehen. Wenn ein Ton schief ist, fühlt sich das in meinen Ohren an, als würde jemand mit einer Feder in meinem Kopf kitzeln. Und was ich jetzt hörte, war kein Kitzeln. Es war ein Erdbeben.

Hugo der Frosch hatte beschlossen, dass ein Summen viel zu langweilig war. Er wollte den Rhythmus vorgeben. „Breeee-ke-ke-kex“, quakte er los. Aber er quakte nicht im Takt. Er quakte immer genau dann, wenn wir eigentlich leise sein sollten. Und weil er so viel Luft in seine Backen pumpte, klang es eher nach einer hohlen Blechtrommel als nach einem Frühlingsgruß.

„Aua“, murmelte ich leise. Mein Ohr, das mit dem kleinen fehlenden Stück, zuckte wild hin und her. „Das klingt schief. Das klingt wirklich sehr schief.“

Emma fuchtelte jetzt wild mit beiden Flügeln. „Nein, nein, nein. Hugo, das ist zu laut. Max, hör auf mit den Flügel-Geräuschen. Mia, hör auf zu kichern. Und Lara, schlaf bitte nicht ein.“ Meine Schwester Lara hatte nämlich die Augen geschlossen und träumte wahrscheinlich schon wieder von den Sternbildern, statt mitzusingen.

Wir versuchten es noch fünfmal. Oder zehnmal. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Jedes Mal, wenn wir gerade so etwas wie eine Melodie fanden, passierte etwas Neues. Karlo Käfer kam angekrabbelt und wollte uns mit einer selbstgebauten Mundharmonika aus einem Grashalm unterstützen, was aber nur ein klägliches Quietschen erzeugte. Tina Tausendfüssler versuchte mit ihren vielen Beinen im Takt zu steppen, was auf dem trockenen Laub eher wie ein herannahender Regenschauer klang.

Emma ließ erschöpft ihr Stöckchen sinken. „Das wird nichts“, sagte sie traurig. „Wir klingen nicht wie ein Chor. Wir klingen wie ein Haufen kranker Grillen.“

Ich sah, wie Emma den Kopf hängen ließ. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben. Ich wollte sie unbedingt aufmuntern. Ich bin zwar nicht der mutigste Redner, aber ich musste etwas sagen. „Vielleicht...“, fing ich an und merkte, wie meine Stimme ein bisschen zitterte. „Vielleicht müssen wir gar nicht wie die Menschenkinder singen. Vielleicht klingt der Frühling im Nachtwald einfach anders.“

Ich schaute in die Runde. „Ohne euch schaffe ich das nicht“, sagte ich leise zu meinen Freunden und auch ein bisschen in Gedanken an dich. „Können wir nicht einfach das machen, was wir am besten können?“

Luna, die Nachtfalter-Dame, die bisher still auf einer Blüte gesessen hatte, flatterte sanft nach oben. Ihr pastellfarbenes Licht beruhigte uns alle sofort. „Ben hat recht“, sagte sie mit ihrer weisen Stimme. „Ein Wald besteht aus vielen Geräuschen. Dem Rauschen der Blätter, dem Platschen des Wassers und ja, auch dem Quaken eines fröhlichen Frosches. Das ist unsere Musik.“

Emma hob den Kopf. „Ihr meint, wir sollen einfach... wir selbst sein?“

„Genau“, rief Max und machte zum Abschied noch ein besonders lautes Flügel-Knattern. „Aber diesmal im Takt.“

Wir begannen von vorn. Aber diesmal gab es keine strengen Regeln. Hugo quakte seinen Bass, Karlo quietschte leise auf seinem Grashalm, Tina steppte auf dem Laub und Max durfte seine lustigen Geräusche machen, solange sie zum Rhythmus passten. Ich schloss die Augen und stieß meine Ultraschallrufe aus. Zusammen mit dem Summen der anderen ergab das ein wunderbares, wildes und absolut einzigartiges Lied.

Es war nicht perfekt. Es war sogar ziemlich schräg. Aber als wir fertig waren, klatschte Bill der Biber mit seinen Pfoten auf das Wasser des Teichs, dass es nur so spritzte. Sogar Papa Viktor saß auf einem fernen Ast und sah zufrieden aus.

Wir hatten den Frühling begrüßt. Auf unsere ganz eigene Weise.

Hast du auch schon mal versucht, etwas ganz perfekt zu machen, und am Ende war es viel schöner, als es einfach ein bisschen chaotisch wurde? Was ist dein Lieblingsgeräusch im Frühling?

Schlaf gut und träum von lauten Fröschen und mutigen Liedern. Dein Ben.