🦇🌾 Das Strohlabyrinth 🍎✨

Auf dem Bauernhof entdeckt Ben zwischen den Strohballen ein geheimnisvolles kleines Labyrinth, das im Mondlicht ganz anders aussieht als am Tag. Gemeinsam mit Iggy wagt er sich hinein und verliert schon bald jede Orientierung. Eine gemütliche Gute-Nacht-Geschichte über das Verirren und die schönen Überraschungen, die manchmal genau dabei warten.

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9/26/20264 min read

Hallo, ihr lieben Nachtschwärmer!

Ich fliege heute Abend über den Bauernhof am Rand von Schnabelstadt, dort, wo die Apfelbäume ihre schwersten Äste tragen und der Boden nach frisch gemähtem Stroh duftet. Der Mond hängt tief über den Feldern, und überall stehen große, runde Kürbisse aufgereiht, als würden sie selbst auf die Erntezeit warten.

Unter mir, zwischen zwei Scheunen, entdeckte ich etwas Neues. Ein riesiger Turm aus aufgestapelten Strohballen, höher als ein ausgewachsener Baumstumpf, mit schmalen Gängen und kleinen Nischen dazwischen. Bei Tag war es sicher nur ein gewöhnlicher Strohhaufen für die Bauern. Doch im Mondlicht sah es aus wie ein geheimnisvolles kleines Labyrinth.

„Iggy, schau dir das an!", rief ich hinunter zu meinem Freund, der gerade zwischen den Feldern nach Hause trippelte.

Iggy blieb stehen und blickte nach oben. „Das sieht aus wie ein Bau für ganz große Igel."

„Sollen wir hineinschauen?", fragte ich.

Iggy zögerte kurz, dann nickte er tapfer. „Solange nichts drin wohnt, das größer ist als ich."

Wir zwängten uns durch eine schmale Öffnung zwischen zwei Strohballen. Drinnen war es eng und dunkel, mit Gängen, die sich nach links und rechts verzweigten. Es roch nach trockenem Gras und ein wenig nach Äpfeln, die irgendwo in der Nähe gelagert wurden.

„Hier entlang", sagte ich und flatterte in einen der Gänge hinein, während meine Rufe mir den Weg durch die engen Zwischenräume zeigten.

Iggy trippelte hinter mir her, wobei seine Stacheln mehrmals an den Strohhalmen hängen blieben. „Ich glaube, ich habe schon zweimal die gleiche Ecke gesehen."

„Unsinn", sagte ich, doch als ich mich umschaute, kam mir der Gang tatsächlich bekannt vor.

Wir bogen um eine weitere Ecke, dann noch eine, und das Rascheln des Strohs unter unseren Füßen und Flügeln wurde immer lauter, je tiefer wir hineingingen. Irgendwo über uns knisterte es, als würde sich das ganze Labyrinth leicht bewegen.

„Ben", flüsterte Iggy plötzlich, „ich glaube, wir haben uns verirrt."

Ich blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit. Meine Echos kamen von allen Seiten zurück, von Stroh, von noch mehr Stroh, und wieder von Stroh. Alles sah gleich aus, roch gleich, klang gleich.

„Das ist schwieriger, als ich dachte", gab ich zu.

Iggy rollte sich vor lauter Aufregung ein kleines Stück ein, dann streckte er sich wieder. „Vielleicht sollten wir einfach den Weg zurückgehen, den wir gekommen sind."

„Der Haken daran ist", sagte ich, „ich weiß nicht mehr genau, welcher Weg das war."

Für einen Moment war es still zwischen uns, nur das leise Knistern des Strohs war zu hören.

„Weißt du was", sagte ich schließlich, „lass uns nicht versuchen, den alten Weg zu finden. Lass uns einfach einen neuen suchen."

Iggy blinzelte. „Ist das nicht dasselbe wie sich noch mehr zu verirren?"

„Vielleicht", sagte ich und musste ein bisschen lächeln. „Aber wenn wir sowieso nicht wissen, wo wir sind, können wir genauso gut schauen, was es hier noch so gibt."

Iggy dachte kurz nach, dann nickte er. „Das klingt nach einem Plan, den nur du haben kannst, Ben. Aber gut, ich bin dabei."

Wir gingen weiter, diesmal ohne den Druck, unbedingt den richtigen Weg zu finden. Ich flog voraus durch die engen Gänge, während Iggy unten zwischen den Strohhalmen hindurchtapste. An einer Stelle mussten wir uns beide durch eine besonders schmale Lücke zwängen, wobei Iggy für einen Moment steckenblieb und wie ein kleiner, stacheliger Korken herausploppte, kaum dass er sich befreit hatte.

„Alles in Ordnung?", fragte ich lachend.

„Bestens", japste Iggy und schüttelte sich das Stroh aus den Stacheln. „Ich habe nur kurz Bekanntschaft mit einem sehr engen Loch gemacht."

Wir wanderten weiter durch das Labyrinth, vorbei an kleinen Nischen, in denen sich Mäuse Vorräte angelegt hatten, und an einer Stelle, wo ein einzelner, vergessener Apfel zwischen den Halmen lag und süß duftete.

„Hier war bestimmt schon jemand naschen", bemerkte Iggy und schnupperte interessiert.

Nach einer Weile bog ich um eine letzte Ecke und blieb stehen. Vor uns öffnete sich der Gang zu einer kleinen, runden Kammer mitten im Stroh. Das Mondlicht fiel durch eine schmale Lücke im Dach der Strohballen und tauchte den Platz in ein sanftes, silbriges Licht. Der Boden war weich und trocken, wie ein natürliches Nest.

„Oh", machte Iggy leise und trat vorsichtig näher.

„Das ist ja gemütlich", sagte ich und ließ mich auf einem der weichen Strohhalme nieder.

Iggy drehte sich einmal im Kreis und ließ sich dann zufrieden in die Mitte der kleinen Kammer plumpsen. „Ich glaube, das ist der schönste Ort im ganzen Labyrinth."

Ich schaute mich um. Von hier aus konnte man durch die Lücke im Dach die Sterne sehen, klein und funkelnd zwischen den Strohhalmen hindurch. Es war, als hätte uns das Labyrinth die ganze Zeit genau hierher führen wollen.

„Weißt du", sagte ich, „ich glaube, wir haben uns nicht wirklich verirrt. Wir haben einfach nur den langen Weg zu diesem Platz hier genommen."

Iggy nickte zufrieden und gähnte herzhaft. „Ein sehr guter langer Weg, wenn du mich fragst."

Wir blieben eine Weile in der kleinen Kammer sitzen, lauschten dem leisen Knistern des Strohs um uns herum und dem fernen Rascheln der Apfelblätter draußen im Wind. Meine Sorge über den falschen Weg war längst verflogen, so wie das Rascheln, das sich mit jeder Minute beruhigte.

„Findest du jetzt wieder hinaus?", fragte Iggy schließlich.

„Wahrscheinlich nicht auf dem direkten Weg", gab ich zu, „aber ich glaube, das macht heute Nacht gar nichts."

Iggy kicherte leise und kuschelte sich noch etwas tiefer ins weiche Stroh. Irgendwann, nach einer gemütlichen Weile des Ausruhens, fanden wir tatsächlich einen Ausgang, ganz ohne es richtig zu planen, einfach indem wir dem Duft der frischen Nachtluft folgten.

Als wir schließlich wieder unter dem offenen Himmel standen, drehte sich Iggy noch einmal zum Strohturm um. „Ich glaube, ich mag Labyrinthe jetzt viel lieber als vorher."

„Auch wenn man sich darin verirrt?", fragte ich.

„Besonders dann", sagte Iggy und wackelte zufrieden mit seinen Stacheln.

Wir verabschiedeten uns zwischen den Kürbissen, und ich flog gemütlich zurück zu meiner Eiche, während der Duft von Stroh und reifen Äpfeln noch lange in der Nachtluft hing.

Nun wird es auch für mich Zeit, in meine gemütliche Höhle zurückzufliegen. Kuschelt euch schön ein und lasst euch von der Nacht in einen wunderbaren Traum tragen.

Schlaft gut, ihr Lieben.

Euer Ben 🦇

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