🦇🌙 Der geheimnisvolle Schatten an der Mühle 🌾✨

An der alten Mühle von Schnabelstadt tanzt in dieser Nacht ein riesiger, geheimnisvoller Schatten über die Wand – und Ben traut sich zunächst nicht näher heran. Zusammen mit Finn wagt er sich Schritt für Schritt an das Rätsel heran, das ihm gehörig Herzklopfen bereitet. Was die beiden am Ende entdecken, hätten sie sich so nie erträumt.

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8/22/20264 min read

Hallo, ihr lieben Nachtschwärmer!
Ich bin's, euer Ben, und ich fliege gerade ĂĽber Schnabelstadt.

Der Mond hing rund und silbern über den Dächern, und ein warmer Wind trug den Duft von frischem Heu bis zu mir hinauf. Ich flatterte am Bach entlang, dort, wo das Wasser leise über die Steine plätschert, und näherte mich der alten Mühle. Ihr grosses Holzrad drehte sich gemütlich im Mondlicht, so wie jede Nacht.

Doch heute war etwas anders.

An der Mühlenwand bewegte sich ein Schatten. Er war riesig, viel grösser als das Mühlrad selbst, und er zuckte hin und her, als würde etwas Gewaltiges seine Arme heben und wieder senken. Mein Herz machte einen kleinen Sprung, und ich blieb sicherheitshalber ein Stück weiter oben in der Luft hängen.

„Das sieht gar nicht gut aus", murmelte ich vor mich hin und wackelte unsicher mit den Ohren.

Unter mir raschelte es im hohen Gras. Finn schlich aus dem Gebüsch, die Nase schon hoch erhoben. „Ich rieche etwas Feuchtes und ein bisschen Süsses", flüsterte er und blinzelte zur Mühle hinüber. „Und ich sehe auch diesen Schatten. Was meinst du, Ben?"

„Ich weiss es nicht", gab ich zu. „Aber er ist ziemlich gross für ein kleines Geheimnis."

Wir beschlossen, erst einmal abzuwarten. Finn duckte sich hinter einen Stapel alter Holzbretter, und ich hängte mich an einen niedrigen Ast der Weide, die nah am Bach wuchs. Von dort aus konnten wir die Mühle gut beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.

Der Schatten wuchs und schrumpfte, ganz so, wie sich das MĂĽhlrad drehte. Manchmal sah er aus wie ein Fabelwesen mit vielen Armen, manchmal wie eine dunkle Wolke, die ĂĽber die Wand kroch.

„Vielleicht ist es ein Wassergeist", flüsterte Finn und legte seinen buschigen Schwanz eng an sich heran..

„Oder ein verzauberter Riese, der im Rad gefangen ist", überlegte ich, und ein kleiner Schauer lief mir über die Flügel.

Wir warteten eine ganze Weile. Die Grillen zirpten weiter, als wäre nichts Besonderes los, und das beruhigte mich ein wenig. Wenn wirklich etwas Gefährliches an der Mühle wäre, würden die Grillen doch bestimmt still werden, dachte ich.

„Weisst du was", sagte ich schliesslich zu Finn, „Grossmutter Flora hat mir mal erzählt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Es bedeutet nur, trotzdem einen kleinen Schritt zu machen."

Finn nickte und schnupperte tapfer in die Luft. „Dann machen wir eben einen kleinen Schritt. Oder in meinem Fall vier."

Gemeinsam näherten wir uns langsam der Mühle. Ich flog dicht über dem Wasser, tief genug, um nicht aufzufallen, und schickte meine leisen Rufe voraus. Die Echos kamen zurück und erzählten mir von festen Balken, glattem Wasser und irgendetwas Weichem, das sich in der Luft bewegte, ganz in der Nähe des Rades.

Finn schlich am Ufer entlang, Schritt fĂĽr Schritt, die Nase immer dicht am Boden. Kurz vor der MĂĽhle blieb er stehen und hielt den Atem an. Auch ich landete auf einem MĂĽhlstein und wagte kaum zu blinzeln.

Und dann sahen wir es genau.

Es waren keine Riesenarme und auch kein Wassergeist. Es war ein grosser Schwarm GlĂĽhwĂĽrmchen, der sich zwischen den nassen Speichen des alten Holzrades niedergelassen hatte. Immer wenn sich das Rad drehte, hoben die kleinen Lichter kurz ab, tanzten durcheinander und liessen sich dann wieder nieder. Ihr sanftes Leuchten, vermischt mit den Wassertropfen, die im Mondlicht funkelten, warf diesen riesigen, wandernden Schatten an die MĂĽhlenwand.

„Oh", machte Finn leise, und seine Ohren richteten sich vor Staunen auf.

„Sie sind gar nicht gruselig", flüsterte ich erleichtert. „Sie sind wunderschön."

Wir blieben eine Weile einfach sitzen und schauten zu, wie die Glühwürmchen mit dem Rad auf und ab tanzten. Jedes Mal, wenn eine neue Wasserwelle über die Speichen spritzte, glitzerten Hunderte kleiner Lichtpunkte auf, als hätte sich ein Stück Sternenhimmel in der Mühle verirrt.

„Ich glaube", sagte Finn nach einer Weile, „die suchen sich einfach nur einen gemütlichen Schlafplatz für die Nacht."

„So wie wir alle", sagte ich und musste ein bisschen lächeln, weil ich vorhin noch an Riesen und Wassergeister gedacht hatte, wo doch nur ein paar müde Glühwürmchen ihre Runden drehten.

Der Wind liess das MĂĽhlrad noch ein letztes Mal knarren, und die Lichter setzten sich zur Ruhe, dicht aneinandergekuschelt zwischen den alten Holzspeichen. Der grosse Schatten wurde kleiner und kleiner, bis er schliesslich ganz verschwand.

Finn und ich sassen noch eine Weile am Ufer, lauschten dem Plätschern des Baches und dem leisen Summen der Nacht. Mein Herz, das vorhin noch so schnell geklopft hatte, wurde ganz ruhig.

„Manchmal", sagte ich leise, mehr zu mir selbst als zu Finn, „muss man nur nah genug hinschauen, dann wird aus einem Ungeheuer ein kleines Wunder."

Finn gähnte herzhaft und streckte sich. „Und manchmal reicht dafür einfach eine gute Nase und ein mutiger Freund."

Wir verabschiedeten uns an der alten Weide, und ich flog gemütlich zurück zu meiner Eiche. Die Mühle lag friedlich hinter mir, ihr Rad drehte sich sanft weiter, und irgendwo dazwischen schliefen jetzt Hunderte kleine Lichter ihren Traum vom nächsten Tanz.

Nun wird es auch für mich Zeit, in meine gemütliche Höhle zurückzufliegen. Kuschelt euch schön ein und lasst euch von der Nacht in einen wunderbaren Traum tragen.
Schlaft gut, ihr Lieben.

Euer Ben 🦇

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