🦔💦 Iggys erster Sprung ins Mondlicht 🌙🦇

An einer warmen Sommernacht verwandelt sich der Teich im Park in einen fröhlichen Treffpunkt für alle Tiere. Nur einer bleibt zunächst lieber am trockenen Ufer sitzen. Was braucht es wohl, damit er sich doch noch traut mitzumachen?

wowbook

8/15/20264 min read

Hallo, ihr lieben Nachtschwärmer!

Ich bin's, euer Ben. Ich fliege heute tief über die Wiesen im Park, wo die Luft angenehm warm ist und nach Sommer riecht. Der Mond spiegelt sich im Teich wie eine große silberne Münze, und schon von Weitem höre ich fröhliches Platschen und Lachen. Als ich näherkomme, sehe ich, dass fast der ganze Park heute Nacht am Wasser versammelt ist.

Hugo sprang gerade mit einem gewaltigen Satz vom Ufer und landete mit einem lauten Platsch mitten im Teich, sodass Wellen bis zu den Seerosen schwappten. Bill zog gemütlich seine Bahnen und ließ dabei kleine Wellen hinter sich her, während Pic und Pac übermütig von einem Ast über dem Wasser baumelten und sich gegenseitig neckten, wer wohl als Erster den Mut zum Sprung fände.

„Ben!", rief Hugo und winkte mit einer nassen Pfote. „Komm rein, das Wasser ist herrlich warm heute."

Ich flatterte lachend über die Wasseroberfläche, tauchte aber lieber nur mit den Zehen kurz ein, denn Fledermäuse und Wasser sind keine besonders guten Freunde. Am Ufer, ein Stück abseits vom Trubel, entdeckte ich eine vertraute kleine Gestalt, die sich hinter einem Grasbüschel versteckte.

„Iggy?", fragte ich und landete neben ihm. „Was machst du hier so weit weg vom Wasser?"

Iggy zuckte zusammen und schaute mich mit großen Augen an. Auf einem seiner Stacheln hing wie üblich ein trockenes Blatt. „Ich schaue nur zu", murmelte er. „Das ist auch schön."

Ich setzte mich neben ihn ins Gras. „Möchtest du nicht mitmachen?"

Iggy schüttelte heftig den Kopf, sodass das Blatt fast herunterfiel. „Nein, nein. Igel und Wasser, das ist keine gute Kombination. Ich sinke bestimmt wie ein Stein. Oder ich werde ganz schwer vom nassen Fell und kann gar nicht mehr laufen. Oder..."

„Oder?", fragte ich sanft.

„Oder alle lachen mich aus", gab er schließlich leise zu und schaute auf seine Pfoten.

Ich dachte einen Moment nach. Ich kannte dieses Gefühl gut, dieses Ziehen im Bauch, wenn man etwas Neues wagen soll und nicht weiß, ob man es schafft.

„Weißt du", sagte ich, „ich hatte auch mal Angst vor etwas Neuem. Als ich zum ersten Mal ganz allein durch den dunklen Wald fliegen sollte, ohne Luna neben mir. Ich dachte, ich würde bestimmt gegen jeden Ast fliegen."

„Und, bist du geflogen?", fragte Iggy neugierig.

„Ich bin geflogen. Und ich bin tatsächlich einmal gegen einen Ast geflogen", gab ich zu und musste selbst lachen. „Aber danach ging es viel leichter, weil ich wusste, dass ein kleiner Unfall nicht das Ende der Welt ist."

Iggy dachte darüber nach, blieb aber weiterhin fest am Ufer sitzen. In diesem Moment kam Tina mit ihren vielen kleinen Beinen herbeigekrabbelt, ein Blatt-Ukulele unter einem ihrer Beinchen geklemmt.

„Iggy!", rief sie fröhlich. „Komm doch näher ans Wasser, dann kannst du wenigstens die Musik besser hören."

Zögernd rückte Iggy ein kleines Stück vor, immer noch weit genug vom Wasser entfernt, um trocken zu bleiben. Tina begann, ein fröhliches Lied auf ihrer Blatt-Ukulele zu zupfen, während Hugo im Takt dazu quakte und Bill mit seinem flachen Schwanz auf dem Wasser trommelte.

Iggys Fuß wippte automatisch zur Musik mit. Ich bemerkte, wie sich seine Stacheln ein kleines bisschen entspannten.

„Schau mal", sagte ich und deutete zum Ufer, wo das Wasser ganz flach über kleine Kieselsteine floss. „Dort ist es nur so tief wie deine Beine. Kein Sinken, kein Ertrinken. Nur ein bisschen kühles Wasser um die Pfoten."

Iggy betrachtete die flache Stelle lange. „Nur die Pfoten?", fragte er unsicher.

„Nur die Pfoten. Ich bleibe die ganze Zeit neben dir", versprach ich.

Ganz langsam, Schritt für Schritt, tapste Iggy näher ans Wasser heran. Als seine erste Pfote das kühle Nass berührte, zuckte er zusammen und sprang einen halben Schritt zurück.

„Es ist kalt!", rief er überrascht.

„Aber schön, oder?", fragte ich.

Iggy blinzelte, dann wagte er einen zweiten Versuch. Diesmal blieb seine Pfote im Wasser, und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. Er setzte die zweite Pfote dazu, dann die dritte.

Hugo, der die Szene aus dem Augenwinkel beobachtet hatte, schwamm neugierig heran, hielt aber respektvoll etwas Abstand. „Du machst das richtig gut, Iggy", rief er aufmunternd.

Ermutigt von Hugos Worten wagte Iggy noch einen Schritt weiter, bis das Wasser seinen ganzen Bauch umspülte. Er blieb kurz ganz still stehen, dann breitete sich ein Grinsen über sein Gesicht aus, das ich bei ihm noch nie gesehen hatte.

„Das fühlt sich... eigentlich richtig gut an", staunte er.

Pic und Pac, die von ihrem Ast aus alles mitverfolgt hatten, klatschten aufgeregt in ihre kleinen Pfoten. „Iggy im Wasser! Das müssen wir feiern!"

Tina stimmte ein noch fröhlicheres Lied an, und für einen Moment planschte Iggy vorsichtig mit den Pfoten im flachen Wasser, während um ihn herum der ganze Park lachte, sang und badete. Er sank nicht, er wurde nicht zu schwer, und niemand lachte ihn aus. Stattdessen sammelten sich langsam ein paar bewundernde Blicke seiner Freunde um ihn.

Später, als der Mond schon tiefer stand, saß Iggy zufrieden am Ufer, sein Fell noch leicht feucht, und beobachtete die anderen beim Weiterplanschen.

„Danke, Ben", sagte er leise. „Ohne dich hätte ich mich nie getraut."

„Du hast dich selbst getraut", sagte ich. „Ich habe nur neben dir gesessen."

Iggy schaute auf seine nassen Pfoten und lächelte. „Vielleicht probiere ich morgen sogar die tiefere Stelle."

„Vielleicht", sagte ich und musste lächeln, denn genau so hatte ich mir das Fliegen damals auch vorgenommen, einen kleinen Schritt nach dem anderen.

Der Park lag in dieser warmen Nacht voller Lachen, Musik und leiser Wasserspritzer, und irgendwo dazwischen saß ein kleiner Igel, der zum ersten Mal seine Angst hinter sich gelassen hatte.

Schlaft gut, ihr Lieben, und träumt von warmen Sommernächten, in denen ein kleiner mutiger Schritt zu einem großen Lächeln führt.

Euer Ben 🦇

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