🌙 Tinas leiser Tanz im Mondlicht ✨

BeitraTina Tausendfüßler möchte beim Vollmondfest tanzen – doch ihre vielen kleinen Füßchen geraten immer wieder durcheinander. 🐾🌕 Zum Glück ist Ben in der Nähe. Gemeinsam lauschen sie dem Rascheln der Blätter, dem Zirpen der Grillen und dem sanften Rhythmus der Nacht. 🦇🍃 Eine liebevolle Gute-Nacht-Geschichte über Mut, Selbstvertrauen und die schöne Botschaft: Du musst nicht perfekt sein, um zu leuchten.

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7/4/20267 min read

Hallo, ich bin Ben.
Ben, die kleine Fledermaus mit den großen Augen und dem kleinen fehlenden Stückchen am rechten Ohr. Manche sagen, mein Ohr sieht aus, als hätte der Mond einmal ganz vorsichtig hineingeknabbert. Ich sage lieber: Es ist mein Abenteuer-Ohr. Das klingt viel mutiger.

In dieser Nacht hing der Mond rund und silbern über unserem Park. Er sah aus wie eine leuchtende Laterne, die jemand ganz oben zwischen die Sterne gehängt hatte. Der Teich glitzerte leise, die Blätter der alten Eiche raschelten im Wind, und irgendwo zirpte eine Grille ihr schläfriges Lied.

Ich wollte eigentlich nur eine kleine Runde fliegen, bevor ich mich später gemütlich in unser Baumloch kuscheln würde. Denn auch Fledermäuse brauchen irgendwann Ruhe. Besonders kleine Fledermäuse, die manchmal noch ein bisschen zu viel nachdenken.

Gerade glitt ich über die Wiese, als ich ein merkwürdiges Geräusch hörte.

Tipptipp-tipp-tipp-tipp.

Dann ein Rascheln.

Dann ein leises: „Oh nein, nicht schon wieder!“

Ich blieb in der Luft stehen. Na gut, fast. Ganz still in der Luft zu hängen kann ich noch nicht perfekt. Ich flatterte eher wie ein verwundertes Herbstblatt.

Unter mir bewegte sich etwas im Mondlicht. Erst dachte ich, es sei ein langer Schatten. Dann sah ich viele, viele kleine Beinchen.

Es war Tina Tausendfüßler.

Tina stand mitten auf einem flachen Stein, der vom Mondlicht hell beschienen wurde. Um sie herum lagen Grashalme wie kleine grüne Bänder. Sie hob den vorderen Teil ihres Körpers, streckte sich elegant und rief leise: „Eins, zwei, drei… und drehen!“

Dann bewegten sich ihre Beinchen.

Alle auf einmal.

Aber nicht alle in dieselbe Richtung.

Ein paar wollten nach links. Andere wollten nach rechts. Einige schienen der Meinung zu sein, dass Rückwärtslaufen jetzt eine sehr gute Idee wäre. Zwei Beinchen stolperten über einen Grashalm, drei weitere machten einen kleinen Hüpfer, und plötzlich sah Tina aus wie ein verknoteter Mondschein-Faden.

„Uff!“, sagte sie und plumpste weich ins Moos.

Ich landete vorsichtig neben ihr. „Tina? Geht es dir gut?“

Sie erschrak so sehr, dass ungefähr vierzig Beinchen gleichzeitig zuckten. „Ben! Du hast mich fast zu einem Tausendfüßler-Knoten gemacht!“

„Entschuldigung“, sagte ich schnell. „Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich habe nur dieses Tipptipp gehört.“

Tina richtete sich auf und schüttelte ein paar Mooskrümel von ihren Füßchen. „Das war kein Tipptipp. Das war Tanz.“

Ich blinzelte. „Tanz?“

„Ja“, sagte Tina und sah zum Mond hinauf. Ihre Stimme wurde ganz weich. „Ich übe einen Mondlichttanz. Heimlich.“

„Heimlich? Warum denn heimlich?“

Tina seufzte. Und wenn ein Tausendfüßler seufzt, klingt das, als würde ein winziger Wind durch viele kleine Schuhe wehen.

„Weil bald das Fest des Vollmonds ist“, erklärte sie. „Alle Tiere wollen etwas Besonderes zeigen. Die Glühwürmchen machen ein Lichterspiel. Luna schwebt bestimmt wieder so wunderschön durch die Luft, als wäre sie selbst ein Stern. Hugo will einen Riesensprung üben, auch wenn ich hoffe, dass kein Pilz im Weg steht. Und ich… ich möchte tanzen.“

„Das klingt doch wunderbar“, sagte ich.

Tina schaute auf ihre vielen Füßchen. „Ja. In meinem Kopf klingt es wunderbar. Da drehe ich mich sanft im Mondlicht, alle staunen, und niemand zählt, wie viele Beine gleichzeitig falsch abbiegen.“

Ich musste kichern, hielt mir aber schnell die Flügel vor den Mund. „Entschuldige.“

Tina grinste ein bisschen. „Schon gut. Es ist ja auch lustig. Aber ich möchte nicht, dass alle lachen, wenn ich beim Vollmondfest auftrete.“

Da wurde mir warm ums Herz. Denn ich kannte dieses Gefühl. Dieses kleine Kribbeln im Bauch, wenn man etwas schaffen möchte, aber die Angst flüstert: Was, wenn du stolperst? Was, wenn alle es sehen? Was, wenn du nicht gut genug bist?

Ich setzte mich neben Tina auf den Stein. Der Mond schien auf uns herab, und alles war still. Nur der Wind strich durch die Gräser.

„Weißt du“, sagte ich leise, „ich hatte früher große Angst vor der Dunkelheit.“

Tina sah mich an. „Du? Aber du bist doch eine Fledermaus.“

„Ja“, murmelte ich. „Das machte es nicht gerade einfacher. Alle Fledermäuse lieben die Nacht. Mein Vater sagt immer, sie ist unser Zuhause. Aber für mich war sie lange wie ein riesiger dunkler Vorhang. Ich wusste nie, was dahinter wartet.“

Tina nickte langsam. „Und was hat dir geholfen?“

Ich dachte an Mama, die mir sagte, ich solle auf meine Flügel und mein Herz hören. Ich dachte an Großmutter Flora, die Geschichten von Mut erzählte. Ich dachte an Luna, die mir zeigte, dass in der Dunkelheit nicht nur Schatten wohnen, sondern auch Wunder.

„Ich glaube“, sagte ich, „mir hat geholfen, nicht alles auf einmal schaffen zu müssen. Nur einen kleinen Flügelschlag. Dann noch einen. Und noch einen.“

Tina betrachtete ihre vielen Füßchen. „Bei mir wären das sehr viele kleine Schritte.“

„Dann fang mit einem an“, sagte ich.

Sie lachte. „Ben, ich habe nicht nur einen.“

„Dann fang mit einem Gefühl an“, schlug ich vor. „Nicht mit den Füßen. Hör erst auf die Nacht.“

Tina legte den Kopf schief. „Auf die Nacht hören?“

Ich nickte. „Ja. Hör mal.“

Wir wurden ganz still.

Zuerst hörte ich nur das Rascheln der Blätter. Dann das weiche Plätschern am Teich. Ein Käfer krabbelte irgendwo durchs Laub. In der Ferne rief eine Eule. Die Grille zirpte langsam, als würde sie ein Schlaflied spielen.

„Die Nacht hat einen Rhythmus“, flüsterte ich. „Nicht laut. Nicht schnell. Ganz ruhig.“

Tina schloss die Augen.

Ihre Beinchen bewegten sich nicht.

Das war erstaunlich.

„Rascheln“, sagte sie leise. „Plätschern. Zirpen. Wind.“

„Genau“, sagte ich. „Und jetzt atme langsam. So wie Luna fliegt.“

Ich atmete tief ein und wieder aus. Tina versuchte es auch. Bei ihr sah es ein bisschen so aus, als würde eine sehr lange kleine Welle durch ihren Körper wandern.

Dann hob sie vorsichtig die vorderen Beinchen.

Nicht alle auf einmal.

Nur ein paar.

Tipptipp.

Sie hielt inne.

Dann noch einmal.

Tipptipp.

Der Mond schien auf den Stein, und Tinas Schatten tanzte ganz sachte neben ihr.

„Jetzt nicht denken: Ich muss perfekt sein“, sagte ich. „Denk lieber: Ich darf tanzen.“

Tina öffnete ein Auge. „Darf ich auch ein bisschen schief tanzen?“

„Unbedingt“, sagte ich. „Schief ist manchmal viel gemütlicher.“

Da musste Tina kichern. Und mit diesem Kichern kam etwas Leichtes in ihre Bewegungen. Sie schob sich langsam nach vorn, drehte sich ein kleines Stück, hielt an, lauschte und bewegte sich weiter.

Ihre vielen Beinchen fanden nicht sofort Ordnung. Manche waren noch etwas aufgeregt. Ein paar taten so, als hätten sie eine eigene Idee. Aber diesmal kämpfte Tina nicht dagegen an. Sie hörte auf den Wind. Sie hörte auf die Grille. Sie hörte auf das Wasser.

Und plötzlich geschah etwas Wunderschönes.

Tina tanzte.

Nicht wie Luna, die durch die Luft schwebte. Nicht wie die Glühwürmchen, die blinkend durch die Nacht funkelten. Nicht wie ein Vogel, nicht wie eine Fledermaus, nicht wie irgendjemand sonst.

Sie tanzte wie Tina.

Langsam, wellig, weich und ein bisschen wackelig. Ihre Beinchen bewegten sich wie kleine Regentropfen auf einem Blatt. Der Stein wurde zu ihrer Bühne, der Mond zu ihrer Lampe, und die Nacht hielt den Atem an.

Ich spürte, wie mein Herz ganz ruhig wurde.

„Ben?“, flüsterte Tina, während sie sich drehte. „Sieht es sehr komisch aus?“

Ich schüttelte den Kopf. „Es sieht aus wie Mondlicht, das laufen gelernt hat.“

Tina blieb stehen. „Das ist das schönste Kompliment, das mir je jemand gemacht hat.“

In diesem Moment flatterte ein sanftes Leuchten heran. Luna erschien zwischen den Gräsern, ihre Flügel schimmerten blau und grün.

„Was für ein zauberhafter Tanz“, sagte sie.

Tina wurde ganz still. „Du hast es gesehen?“

„Nur das Ende“, antwortete Luna freundlich. „Aber das war genug, um zu wissen, dass du beim Vollmondfest keine Angst haben musst.“

Aus dem Laub kam ein Rascheln. Karlo Käfer krabbelte hervor, allerdings in die falsche Richtung. „Bin ich hier richtig beim Nachtkonzert?“

„Das ist Tanz, Karlo“, sagte Tina.

„Ach so“, meinte Karlo. „Dann bin ich sehr richtig falsch.“

Wir lachten alle leise. Nicht laut, denn es war schließlich eine Gute-Nacht-Nacht. Eine von den Nächten, in denen selbst das Lachen ein Kissen bekommt.

Tina sah uns an. „Meint ihr wirklich, ich kann beim Vollmondfest tanzen?“

Luna nickte. „Nicht perfekt.“

Karlo hob einen Fühler. „Perfekt ist langweilig. Ich verlaufe mich auch nie perfekt.“

Ich lächelte Tina an. „Du kannst so tanzen, wie nur du tanzen kannst.“

Da richtete Tina sich auf. Ihre vielen Füßchen standen plötzlich viel sicherer auf dem Stein.

„Dann werde ich es machen“, sagte sie. „Aber vielleicht übe ich noch ein bisschen.“

„Ich bleibe bei dir“, sagte ich.

Und so übten wir weiter. Tina tanzte im Mondlicht, Luna ließ ein sanftes Leuchten um sie kreisen, Karlo klatschte mit seinen winzigen Beinchen, wobei er manchmal vergaß, wann er anfangen sollte. Ich flatterte langsam über ihnen und hörte auf den Rhythmus der Nacht.

Rascheln.

Plätschern.

Zirpen.

Wind.

Nach einer Weile wurde Tina müde. Ihre vielen Füßchen bewegten sich langsamer, bis sie sich schließlich gemütlich in das weiche Moos neben dem Stein kuschelte.

„Ben?“, murmelte sie schläfrig.

„Ja?“

„Glaubst du, die Nacht tanzt auch?“

Ich sah hinauf zum Mond. Die Wolken zogen langsam vorbei. Die Blätter wiegten sich. Das Wasser glitzerte. Sogar die Sterne schienen ein kleines bisschen zu funkeln, als würden sie sich zur Musik der Stille bewegen.

„Ja“, flüsterte ich. „Ich glaube, die Nacht tanzt. Nur ganz leise.“

Tina lächelte. „Dann tanze ich morgen wieder mit ihr.“

Ihre Augen wurden schwer. Ein Beinchen nach dem anderen wurde still. Das dauerte natürlich eine Weile. Bei Tina schläft nicht alles gleichzeitig ein.

Luna setzte sich auf ein Blatt in der Nähe. Karlo rollte sich unter einem trockenen Ahornblatt zusammen und murmelte: „Ich wollte sowieso genau hier hin.“

Ich blieb noch einen Moment wach und dachte darüber nach, was ich in dieser Nacht gelernt hatte.

Manchmal glauben wir, wir müssten perfekt sein, damit andere uns mögen. Wir denken, wir dürfen nicht stolpern, nicht zittern, nicht schief tanzen und uns nicht fürchten. Aber vielleicht ist Mut gar nicht, alles richtig zu machen.

Vielleicht ist Mut, trotzdem anzufangen.

Mit einem Flügelschlag.
Mit einem Schritt.
Oder mit hundert kleinen Füßchen im Mondlicht.

Als ich später zurück zur alten Eiche flog, war die Nacht weich und freundlich um mich herum. Der Park schlief, der Teich träumte, und der Mond passte auf uns alle auf.

Und ich, Ben, die kleine Fledermaus, war ganz sicher:

Tinas Tanz war nicht perfekt gewesen.

Er war viel besser.

Er war echt.

Ich lächelte in die stille Nacht hinaus, kuschelte meine Flügel ein wenig enger an mich und flüsterte:

„Schlaf gut, kleine Nachteule. Schlaf gut, kleiner Sternengucker. Und vergiss nie: Du musst nicht perfekt sein, um wunderschön zu leuchten.

Gute Nacht.

Dein Ben.“ 🦇

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