Das Geheimnis der funkelnden Silberkiesel 🦇✨
In dieser Nacht wird es im Park plötzlich dunkel. Die magischen Silberkiesel leuchten nicht mehr. Ben die Fledermaus macht sich gemeinsam mit Luna und dem tollpatschigen Karlo Käfer auf die Suche nach dem Licht. Dabei lernt er, dass man mit ein bisschen Hilfe und viel Zusammenhalt selbst die dunkelsten Ecken zum Strahlen bringen kann. Ein Abenteuer über Mut und Freundschaft.
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4/18/20264 min read


Hallo, du. Ja, genau du. Ich bin es, Ben. Ich hänge gerade gemütlich mit den Füßen nach oben an meinem Lieblingsast und knabbere an einem Stückchen reifer Birne. Aber eigentlich wollte ich dir von etwas erzählen, das mir gestern Nacht passiert ist. Es war eines dieser Abenteuer, bei denen mein Herz erst ganz schnell klopfte – wie ein kleiner Trommelwirbel in meiner Brust – und am Ende alles ganz warm wurde.
Weißt du, der Park in der Nacht ist normalerweise wunderschön. Luna, die weise Nachtfalter-Dame, hat mir beigebracht, wie die Sterne den Weg weisen. Aber gestern war etwas anders. Als ich aus unserer Höhle flatterte, war es im hinteren Teil des Parks, dort wo die alten Weiden stehen, stockfinster. Kein Glitzern auf dem Boden, kein sanfter Schein im Gras.
„Luna“, rief ich leise und flatterte zu ihr hinüber. Sie saß auf einer Pusteblume und ihre Flügel schimmerten in zartem Flieder. „Wo ist das Licht hin? Die Silberkiesel leuchten gar nicht mehr.“
Luna sah mich mit ihren klugen, großen Augen an. „Ben, das habe ich auch bemerkt. Die Silberkiesel fangen das Mondlicht ein und schenken es den Tieren, die nicht so gut sehen können wie wir. Ohne sie finden die Mäuse den Weg nach Hause nicht.“
In diesem Moment spürte ich ein kleines Ziehen an meinem rechten Flügel. Das ist das Zeichen, wenn ich ein bisschen Angst bekomme. Mein linkes Ohr, das mit der kleinen Kerbe, zuckte auch. Ich dachte an die dunkle Grotte unter den Weiden. „Glaubst du, wir sollten nachsehen.“, fragte ich Luna. Eigentlich wollte ich lieber zurück zu Mama Julia und mich in ihr warmes Fell kuscheln. Aber Luna nickte nur sanft. „Alleine ist es schwer, Ben. Aber du bist nicht allein.“
Also machten wir uns auf den Weg. Unterwegs trafen wir Karlo Käfer. Karlo ist toll, aber manchmal auch ein bisschen... nun ja, durcheinander. Er rannte im Kreis und suchte etwas im hohen Gras. „Ups, falscher Halm. Oder war es die andere Seite.“, murmelte er. „Karlo, was machst du hier unten.“, fragte ich und landete vorsichtig neben ihm. „Meine Brille, Ben. Ohne meine Brille sehe ich die Welt wie einen großen, grünen Wackelpudding. Und die Silberkiesel sind weg. Ich wollte sie reparieren, aber ich bin über eine Wurzel gestolpert.“
Da wusste ich: Ich muss helfen. Ich fragte mich, ob du mir vielleicht auch Mut zusprechen könntest. Wenn ich weiß, dass du an mich glaubst, traue ich mich viel mehr. Ohne dich schaffe ich das nicht.
Wir nahmen Karlo in die Mitte. Luna flog voran und leuchtete uns den Weg. Plötzlich hörten wir ein lautes Platsch. „Hunger. Wer hat Hunger. Ich dachte, hier gäbe es Mondscheinkekse.“, quakte eine Stimme. Es war Hugo, der Frosch. Er saß mitten in einer Pfütze, die gar nicht da sein sollte. „Hugo, pass auf. Du sitzt mitten im Matsch, der die Silberkiesel verdeckt.“, sagte Luna ruhig.
Das war das Rätsel. Ein kleiner Bach war über die Ufer getreten und hatte schlammiges Wasser über die leuchtenden Steine gespült. Deshalb war es so dunkel. „Wir müssen den Schlamm wegbekommen.“, sagte ich. Mein Herz klopfte immer noch, aber jetzt war ich neugierig. Karlo rief sofort: „Kein Problem. Ich baue einen Schlamm-Schieber. Moment, wo habe ich die Stöckchen gelassen.“ Karlo wirbelte herum, verlor fast wieder das Gleichgewicht und bastelte aus ein paar Zweigen und großen Blättern eine Art Besen. Er sah sehr lustig aus, wie er da mit seinen kleinen Beinchen ruderte. Hugo half ihm, indem er mit kräftigen Sprüngen den festen Matsch lockerte. Er landete zwar ständig auf der Nase und einmal sogar fast auf meinem Kopf, aber er brachte uns alle zum Lachen.
Während die anderen arbeiteten, wurde es immer dunkler, weil Wolken vor den Mond zogen. Ich merkte, wie die Angst wieder hochkroch. Die Schatten der Weiden sahen aus wie große, greifende Hände. Ich schloss kurz die Augen und dachte an das, was mir Oma Flora immer erzählt: „Mut ist nicht, keine Angst zu haben. Mut ist, es trotzdem zu tun.“
Ich flog hoch zu den Wolken. Ich nutzte meine Echoortung – Klick, Klick, Klick – und suchte eine Lücke in den Wolken. „Da vorne.“, rief ich. Ich zeigte Luna den Weg, damit sie mit ihrem Flügelschlag den Wind nutzen konnte, um die Wolken ein kleines Stück beiseite zu schieben. Und tatsächlich: Ein silberner Strahl traf genau auf die Stelle, an der Karlo und Hugo arbeiteten.
Plötzlich blitzte es unter dem Schlamm auf. Ein Kiesel nach dem anderen begann wieder zu strahlen. Es war, als hätten wir tausend kleine Sterne auf die Erde geholt. „Wir haben es geschafft.“, rief Karlo und setzte sich erschöpft auf seine Brille, die er zum Glück gerade wiedergefunden hatte. „Ups, schon wieder.“
Als ich später nach Hause flog, wartete Papa Viktor schon am Eingang der Höhle. Er sah mich an, bemerkte den Schlamm an meinen Krallen und das Funkeln in meinen Augen. Er sagte nicht viel, aber er legte mir kurz einen Flügel auf die Schulter. Das bedeutete mir alles. Mama Julia kuschelte mich danach ganz fest ein und meine Geschwister Max, Mia und Lara wollten alles über die „Schlammschlacht“ wissen.
Jetzt liege ich hier und bin einfach nur froh. Es ist schön, Freunde zu haben, die einem helfen, wenn es dunkel wird. Und es ist schön, dass du mir zugehört hast.
Schlaf gut und träum von den Silberkieseln.
Dein Ben.
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