✨Das Geheimnis der klebrigen Pfoten✨
Ostern im Nachtwald wird klebrig. Eigentlich wollte Tina Tausendfüssler nur Schokofüße für alle kochen. Doch ein kleiner Unfall in der Küche verwandelt die gute Seele in eine wandernde Honig-Spur. Hoppel der Hase ist verzweifelt: Alle seine Geheimverstecke sind nun markiert. Begleite Ben die Fledermaus und seine Freunde bei dieser lustigen Suche, bei der am Ende alles ganz anders kommt.
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3/28/20265 min read


Hallo. Schön, dass du da bist. Ich bin Ben. Ich sitze gerade auf meinem Lieblingsast, der alten Eiche, und meine Ohren wackeln ganz aufgeregt. Heute ist ein ganz besonderer Abend im Nachtwald. Wir feiern nämlich das Vollmond-Osterfest. Hast du schon mal davon gehört? Bei uns im Park ist alles ein bisschen anders als am Tag. Wenn die Menschen schlafen, erwacht unser kleiner Wald zum Leben.
Hoppel, mein bester Freund vom Tag, ist heute extra länger wach geblieben. Normalerweise schläft er schon längst in seinem Bau, wenn ich meine ersten Runden drehe. Aber heute trägt er seine stolze rote Luftballonschnur am Ohr besonders fest geknotet. Er ist nämlich der offizielle Oster-Verstecker. „Ben“, hat er zu mir gesagt und dabei ganz wichtig mit der Nase gezuckt. „Das Verstecken ist eine Kunst. Man braucht Schnelligkeit, Tarnung und den Geist eines Piraten.“
Ich habe bewundernd genickt. Ich bin ja noch dabei, das mit dem Mut zu lernen. Manchmal gruselt es mich vor den langen Schatten der Bäume, aber heute bin ich einfach nur neugierig. Luna, die weise Nachtfalter-Dame, flattert sanft neben mir. Ihre Flügel schimmern in einem zarten Pastellblau und sie verbreitet einen Duft nach Nachtkerzen. Sie lächelt mich an und sagt, dass heute ein Abend voller Überraschungen wird.
Wir wollten uns alle bei Tina Tausendfüssler treffen. Tina ist die gute Seele bei uns. Sie wohnt in einer gemütlichen Wurzelhöhle unter dem großen Holunderbusch. Sie hat uns alle eingeladen, weil sie eine ganz besondere Oster-Leckerei vorbereiten wollte. „Schokofüße für alle“, hatte sie auf die Einladungen geschrieben, die Pips die Maus überall verteilt hat.
Als wir bei Tina ankommen, herrscht dort ein riesiges Chaos. Tina hat heute alle ihre Socken angezogen. Musst du wissen, Tina hat sehr viele Beine. Wirklich sehr, sehr viele. Und weil sie in ihrer Küche nicht ausrutschen will, trägt sie hunderte kleine, bunte Söckchen. In Gelb, Blau, Grün und gestreift. Es sieht aus wie ein Regenbogen, der unter ihrem Bauch spazieren geht.
„Oh je, oh je“, murmelt Tina und wirbelt zwischen ihren Töpfen herum. In einem Topf brodelt süßer Honig, im anderen dampft dunkler Beerensaft aus Waldbeeren. Es riecht so herrlich, dass Hugo der Frosch schon ganz große Augen macht und sich mit der Zunge über die Lippen fährt.
„Vorsicht, Hugo“, rufe ich, aber es ist schon fast zu spät. Hugo will gerade einen Sprung machen, um mal zu schauen, ob der Beerensaft schon süß genug ist. Doch in der engen Küche von Tina ist das keine gute Idee. Er landet patsch direkt neben Karlo Käfer, der gerade versucht, seine Brille zu finden. Karlo stolpert, stößt gegen ein Regal und Tina, die gerade mit zehn Armen gleichzeitig rührt, verliert das Gleichgewicht.
Es passiert wie in Zeitlupe. Tinas viele Beine verheddern sich ineinander. „Huch, falsche Richtung“, ruft sie noch, dann macht es Platsch. Sie stolpert mitten in die große Schüssel mit dem Honig und dem klebrigen Beerensaft.
Einen Moment lang ist es ganz still. Wir starren alle auf Tina. Sie sieht jetzt aus wie eine sehr lange, sehr klebrige Brombeere. Ihre hunderte Söckchen sind komplett mit dem lila Saft und dem goldenen Honig vollgesogen.
„Ups“, sagt Hugo und verzieht das Gesicht.
Tina schüttelt sich, aber das macht es nur noch schlimmer. Sie beginnt vor Schreck aus der Höhle zu laufen. „Ich muss mich waschen. Zum Teich, schnell zum Teich“, ruft sie und flitzt los.
Aber Tina ist schnell. Sehr schnell. Und weil sie so viele Beine hat, hinterlässt sie mit jedem Schritt einen kleinen, lila-klebrigen Pfotenabdruck auf dem Waldboden. Sie rennt kreuz und quer durch den Park. Über die bemoosten Steine, unter den Farnen hindurch, einmal rund um den hohlen Baumstamm und mitten durch das hohe Gras.
Hoppel starrt ihr mit offenem Mund hinterher. Dann wird er plötzlich ganz blass. „Nein. Oh nein. Das darf nicht wahr sein.“
„Was ist los, Hoppel“, frage ich und lande neben ihm. Ich zucke mit meinem Ohr, an dem das kleine Stück fehlt. Immer wenn ich nervös bin, mache ich das.
„Sie rennt genau dort entlang, wo ich die Eier versteckt habe“, jammert Hoppel. „Sie läuft über den hohlen Baumstamm. Da liegt das glitzernde Silberei. Sie rennt unter den Farn. Da ist das Körbchen mit den Moos-Pralinen. Sie hinterlässt eine Spur, die direkt zu jedem meiner Geheimverstecke führt.“
Wir schauen uns die Bescherung an. Es sieht aus, als hätte jemand eine Landkarte direkt zu allen Schätzen des Osterhasen gemalt. Die kleinen lila Abdrücke leuchten im Mondlicht fast so hell wie Lunas Flügel. Finn der Fuchs kommt aus dem Gebüsch geschlichen und schnuppert. „Riecht nach Honig. Und nach Beeren. Sehr leicht zu finden, würde ich sagen.“
Hoppel lässt die Ohren hängen. Die rote Schnur an seinem Ohr wirkt ganz schlaff. „Die ganze Überraschung ist ruiniert. Das Suchen war doch das Beste. Jetzt muss man nur noch der Klebespur folgen.“
Ich schaue Hoppel an und dann die Spur. Ich möchte ihm so gerne helfen. Ich bin zwar noch nicht so mutig wie mein Bruder Max, aber ich habe eine Idee. „Hoppel, vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Vielleicht können wir daraus ein ganz neues Spiel machen.“
Ich schaue dich an. Hast du eine Idee, wie wir Hoppel wieder aufmuntern können? Ohne dich schaffe ich das nicht. Was könnten wir aus einer Spur machen, die jeder sehen kann?
Wir entscheiden uns, das Beste daraus zu machen. Luna fliegt voraus und zeigt uns mit ihrem Licht den Weg. Wir folgen Tinas Spur. Es ist wirklich lustig. Wir finden das Silberei im Baumstamm, das jetzt auch ein bisschen nach Honig duftet. Wir finden die Pralinen unter dem Farn. Und an jedem Versteck hat Tina ein kleines, klebriges „Dankeschön“ hinterlassen.
Schließlich finden wir Tina am Teich. Sie planscht im Wasser und Bill der Biber hilft ihr, die klebrigen Söckchen auszuziehen. „Tut mir leid, Hoppel“, sagt sie leise und lässt den Kopf hängen.
Hoppel schaut auf seine rote Schnur und dann auf uns alle. Er fängt an zu grinsen. „Weißt du was, Tina? Eigentlich war das die beste Suche, die wir je hatten. Wir mussten gar nicht rätseln, wir konnten einfach zusammen spazieren gehen und lachen.“
Wir setzen uns alle auf die Wiese beim Teich. Bill der Biber hat aus flachen Steinen einen kleinen Tisch gebaut. Wir essen die Eier und die Pralinen, die jetzt alle eine ganz besondere Note haben: Honig-Beere. Hugo der Frosch behauptet sogar, dass das die besten Ostereier sind, die er je gegessen hat.
Sogar Papa Viktor ist gekommen und hat uns beim Essen zugeschaut. Er hat nicht geschimpft, dass wir so spät noch so laut waren. Er hat nur kurz genickt und gesagt: „Gut gemacht, Ben. Ein Anführer findet auch im Chaos einen Weg.“ Da bin ich ein kleines Stück gewachsen, glaube ich.
Es war eine wunderschöne Nacht. Die Sterne haben über uns gefunkelt und wir waren alle zusammen. Manchmal ist ein Missgeschick genau das, was man braucht, um einen unvergesslichen Abend zu erleben.
Jetzt bin ich aber müde. Ich werde mich gleich in meine Höhle kuscheln, mich fest an Mama Julia schmiegen und von lila Tausendfüssler-Socken träumen.
Was war das Lustigste, was dir mal bei einem Fest passiert ist? Ist bei dir auch schon mal etwas schiefgegangen, das am Ende richtig toll war? Schreib mir doch mal.
Schlaf gut und träum was Schönes. Dein Ben.
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