Emma Eule und das große Purzelbaum-Training 🦉
Emma Eule möchte unbedingt fliegen lernen wie eine Fledermaus. Mit Ben als Lehrer und Hugo dem Frosch als... nun ja, „Sicherheitsexperte“, beginnt ein turbulentes Training. Doch nach einigen Bruchlandungen in der Hecke und unfreiwilligen Kopfüber-Momenten merkt Emma, dass ihre eigene Art zu fliegen eigentlich viel magischer ist. Eine humorvolle Geschichte über Selbstakzeptanz und wahre Talente.
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4/11/20264 min read


Hallo. Wie schön, dass du wieder da bist. Ich hänge gerade ganz entspannt an meinem Lieblingsast und schaukele ein bisschen im Wind. Hast du heute auch schon etwas erlebt, bei dem du laut lachen musstest. Mir ist gestern etwas passiert, das war so lustig, dass sogar die alten Eichen im Park vor Vergnügen gerauscht haben.
Es fing alles damit an, dass Emma Eule bei mir vorbeikam. Emma ist wirklich toll. Sie weiß unglaublich viel und kann die Sterne besser erklären als jeder andere. Aber gestern wirkte sie ein bisschen unruhig. Sie landete auf einem Ast direkt neben mir – naja, eigentlich war es eher ein Wumms, denn Emma ist ja viel größer als ich.
„Ben“, sagte sie und rückte ihre imaginäre Brille zurecht. „Ich habe dich beobachtet. Wie du diese Haken schlägst und dich mitten im Flug einfach fallen lässt, um dann wieder nach oben zu schießen. Das ist faszinierend. Es ist... aerodynamisch höchst anspruchsvoll. Ich möchte das auch lernen.“
Ich blinzelte sie an. „Du willst fliegen wie eine Fledermaus, Emma. Aber du bist doch eine Eule. Du gleitest so wunderschön leise durch die Nacht, dass man dich kaum hört.“
„Schon richtig“, antwortete sie und plusterte ihre Federn auf. „Aber ein bisschen mehr Pep könnte mein Flugstil schon vertragen. Ein paar Loopings, ein paar Zickzack-Manöver. Das wäre doch was.“
In diesem Moment hörten wir ein lautes Platsch von unten. „Pep. Hat jemand Pep gesagt. Oder Kekse.“, tönte eine fröhliche Stimme. Es war Hugo, der Frosch. Er war gerade in einer Pfütze gelandet, die eigentlich nur ein nasser Laubhaufen war. Hugo sah aus wie eine grüne Kugel mit Tarnkappe aus Blättern. „Wir machen Flugtraining, Hugo“, erklärte ich. „Au ja.“, quakte Hugo und versuchte, so hoch zu springen, dass er fast meine Füße berührte. „Ich bin der Experte für weite Sprünge. Ich kann euch zeigen, wie man die Beine richtig einknickt.“
Das konnte ja heiter werden. Eine Eule, die ein Looping machen will, ein Frosch als Sprungtrainer und ich mittendrin. Ich fragte mich kurz, ob das eine gute Idee war. Aber Emma sah so hoffnungsvoll aus. Ohne deine Hilfe bei der Planung hätte ich vielleicht direkt „Nein“ gesagt, aber ich dachte mir: Probieren wir es einfach mal.
„Na gut“, sagte ich und breitete meine Flügel aus. „Lektion eins: Der Haken-Schlag. Du fliegst ganz schnell geradeaus und dann – zack – knickst du im rechten Winkel ab. Das ist super, um Mücken zu fangen.“ „Verstanden. Winkel berechnen. Windgeschwindigkeit einplanen. Los geht's.“, murmelte Emma.
Sie hob ab. Emma ist groß, weißt du. Wenn sie ihre Flügel ausbreitet, sieht das aus wie zwei kleine Segelschiffe. Sie nahm Fahrt auf. Sie wurde immer schneller. „Jetzt, Emma.“, rief ich. Emma versuchte, den Haken zu schlagen. Aber anstatt elegant abzuknicken, passierte etwas anderes. Ihre Flügel waren einfach zu lang für so eine enge Kurve. Sie geriet ins Trudeln. „Uuuuuh-huuuuu.“, rief sie, während sie wie ein außer Kontrolle geratener Papierflieger durch die Luft wirbelte.
Raschel. Knacks. Bumm.
Emma war direkt in einer dichten Hecke gelandet. Nur noch ihre Schwanzfedern schauten oben heraus und wackelten ein bisschen. „Punktlandung.“, rief Hugo und klatschte mit seinen feuchten Froschhänden. „Zwar etwas buschig, aber die Haltung war eine Eins plus.“ Ich flatterte schnell zu ihr. „Emma, alles okay bei dir.“ Ein gedämpftes „Alles bestens“ kam aus den Blättern. Emma krabbelte rückwärts aus der Hecke. Sie hatte ein paar kleine Zweige im Gefieder und sah ein bisschen zerzaust aus. „Ich glaube, der Radius meiner Schwingen ist nicht für schnelle Richtungsänderungen optimiert.“
„Vielleicht versuchen wir es mit etwas Einfacherem“, schlug ich vor, um sie zu trösten. „Wie wäre es mit dem Kopfüber-Hängen. Das ist das Entspannendste auf der Welt.“ Ich flog zu einem stabilen Ast, krallte mich fest und ließ mich baumeln. „Einfach lockerlassen, Emma. Das Blut steigt in den Kopf und man sieht die Welt mal von einer ganz anderen Seite.“
Emma schaute skeptisch. Aber sie wollte es unbedingt wissen. Sie setzte sich auf den Ast, umklammerte ihn mit ihren starken Krallen und versuchte, sich nach vorne zu beugen. „Vorsicht, Emma.“, rief Hugo von unten. Er hatte sich in der Zwischenzeit ein großes Blatt als Sonnenhut (oder eher Mondhut) aufgesetzt.
Emma kippte langsam nach vorne. Doch Eulen haben einen sehr runden Körper und einen kurzen Schwanz. Als sie kopfüber hing, merkte sie wohl, dass ihr Gleichgewichtssinn laut „Stopp“ schrie. Ihre Augen wurden so groß wie Untertassen. „Ben... die Welt dreht sich.“, flüsterte sie. „Das ist die Schwerkraft, Emma“, sagte ich stolz. „Nein, Ben... die Welt dreht sich wirklich.“ Und schwupps – Emmas Krallen lösten sich. Sie fiel nicht wie eine Fledermaus, sie plumpste wie ein schwerer Sack Mehl nach unten.
Genau in diesem Moment wollte Hugo gerade eine besonders mutige Pirouette am Boden drehen. Plopp. Emma landete direkt auf Hugo. Oder eher: Emma landete im weichen Moos und Hugo wurde durch den Schwung wie ein kleiner grüner Flummi zur Seite katapultiert. Er landete in einem Farn, schüttelte sich und rief: „Nochmal. Das war wie Achterbahnfahren.“
Wir saßen alle drei auf dem Boden. Emma hatte ein Blatt auf dem Kopf, Hugo war voller Moos und ich musste mich so zusammenreißen, dass ich nicht laut loslachte. Aber dann fing Emma selbst an zu glucksen. Ein tiefes, eulenhaftes Lachen. „Ben“, sagte sie und strich sich die Federn glatt. „Ich glaube, ich bin eine hervorragende Eule, aber eine ziemlich katastrophale Fledermaus.“
Ich nickte und setzte mich neben sie. „Weißt du, Emma, ich bewundere dich immer, wenn du oben am Himmel stehst. Du bewegst dich wie ein Geist. Du bist so leise, dass nicht mal die Mäuse dich hören. Wenn ich fliege, mache ich ständig Krach mit meinem Flattern und meinen Klick-Geräuschen. Du bist wie eine Königin der Stille.“
Emma sah mich an und ihre Augen leuchteten warm. „Danke, Ben. Das ist ein schönes Kompliment.“ „Und ich bin der König des Plumpsens.“, warf Hugo ein und machte einen besonders ungeschickten Satz zurück in seine Pfütze.
Wir verbrachten den Rest der Nacht damit, dass Emma uns die Sternbilder erklärte. Ganz ruhig, ganz entspannt, ohne Purzelbäume in der Hecke. Ich lernte dabei, dass es gar nicht schlimm ist, wenn man etwas nicht kann, was andere können. Es ist viel wichtiger, das zu feiern, was man selbst gut macht.
Bevor ich jetzt gleich einschlafe und meine Flügel einklappe, muss ich dich noch etwas fragen. Gibt es etwas, das du richtig gut kannst. Vielleicht etwas, das sonst keiner so toll macht wie du. Erzähl es mir doch mal. Ich würde mich riesig freuen.
Schlaf schön und träum was Schönes.
Dein Ben.
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